Barcelona und das Licht

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Wenn ich eine Sache nennen müsste, die Barcelona für mich besonders macht, würde ich sagen: Das Licht

Am Morgen - Am Meer

Spät im Frühling geht die Sonne vor sechs auf. Der Himmel ist dann bläulich rot. Für die ersten zwei Stunden hängen Wolken und Nebel über dem Land. Wenn das Wasser sich aufwärmt, setzt sich alles in Bewegung. Es klart auf. Durch die, französischen Fensterläden fällt das Licht beim Schreiben schattig blau. Der erste Kaffee auf dem Balkon ist bitter und stark. Zeit, um schwimmen zu gehen.

Die Sonne steht tief über dem Wasser. Der Himmel am Horizont ist fast weiß. Beim Schwimmen blenden die Reflexionen in Wasser. Weiter draußen wird das Meer tiefer, dunkler und sauberer. Beim Schwimmen zurück zum Strand tragen mich die Wellen.

Zurück in der Wohnung steht die Sonne jetzt direkt auf dem Balkon. Die Lavendelknospen senken sich in der Hitze. Sonnenbrille und Taschenbuch, die Beine auf das Geländer gelehnt. Im direkten Licht verschwinden die Konturen. Alles ist offen und weit, nichts bewegt sich. Erst am Nachmittag kommt Wind auf und am Abend vielleicht Regen.

Am Mittag - In der Stadt

Am Mittag legt sich die Hitze über die Stadt. Die Leute verschwinden von den Straßen. In der Altstadt bricht die Sonne senkrecht durch die Gassen. Der Himmel über den Häusern ist blau und endlos. Keine Wolke verklärt die Sicht. An den Fassaden kleben Fetzen von Licht und erzählen vom Stand der Sonne. 

Auf einer Plaza unter einem Schirm vorm Café, finde ich Schatten. Ich bestelle schwarzen Kaffee und ein Wasser. Ein alter Baum liegt im Stein verankert. Seine höchsten Blätter finden immer Licht. Der Kaffee wird gebracht in weißer Tasse auf silbernem Tisch. Die Zigarette brennt ruhig im warmen Mund. Ein Schluck Kaffee und ein Glas Wasser – das Dunkle und Helle, Warme und Kalte ergänzen sich auch hier. Neben dem Baum ist der Stein dunkel und feucht. 

Auf dem Rückweg wandere ich durch die engen Straßen zum Strand. Manchmal erschlägt es einen, wenn eine Gasse die Richtung ändert und die Sonne in einem bestimmten Winkel in sie dringt. Das Licht bricht in die Dunkelheit, löscht alles aus. Die Konturen verschwinden erneut. Wenige Schritte weiter ist wieder alles da, das Licht im Rücken und die Schatten tief. Außerhalb der Altstadt kommt jetzt ein leichter Wind vom Meer. Die Palmen wachsen gebogen in Richtung Land. In der offenen Sonne werde ich müde und in der Wohnung schließe ich die Fensterläden.

Barcelona 6 AM
Barcelona 4 PM
Barcelona 8 PM

Am Abend - In der Wohnung

Am frühen Abend steht die Sonne hinter den Häusern. Blenden tun nur noch die weißen Kämme einiger Wellen, die mit dem Wind aufgekommen sind. Der Himmel ist immer noch genau so mittelmeerblau. Wassermelone und E-Mails schreiben auf dem Balkon. Das Haus liegt im Schatten und das Meer steht im Licht. Zeit, um zu malen, wenn man malen könnte. Ich mache ein Foto. 

Ich schreibe bei offenem Fenster, bis es dunkel wird. Durch die französischen Fensterläden senkt sich das Licht, wird von weiß zu orange, dann rot, blau-violett und schließlich ist es dunkel. Das Meer kühlt ab, die Wolken kehren zurück und der Wind schläft ein. Die gelben Straßenlampen gehen an. Eine weitere orangene Nacht des Südens. Gelächter vom Strand und aus den Cafés.

Wenn ich eine Sache nennen müsste, die Barcelona für mich besonders macht, würde ich sagen: Das Licht

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13 Wochen in Quarantäne. 9 Tage selbstständig. 7 Texte in 7 Tagen. 2 Monate der Freiheit. In 8 Wochen werde ich 25.

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