Nachhaltigkeit im Alltag

Nachhaltigkeit im Alltag – Shape 6

Nachhaltigkeit im Alltag fängt im Umgang mit mir selbst an. Das lerne ich gerade. Bevor man den Planeten rettet, muss man erst einmal sich selbst retten. Wie bleibe ich gesund? Wie bin ich produktiv? Wie nutze ich mein Potenzial? Diese Fragen stellen sich mir im Laufe meines Arbeitens. Der Wille zum Arbeiten ist eine Sache. Die richtige Selbstdisziplin ist die Eigenschaft, die meine Projekte nach vorne bringt. Im Umgang mit Kunden und eigenen Texten, musste ich vieles lernen. Mittlerweile habe ich ein Gleichgewicht gefunden, das für mich nachhaltig funktioniert. 

Mein erster Roman - Der Rausch

Am Anfang ist alles leicht. Wenn man es geschafft hat anzufangen, fliegen die Stunden nur so dahin. Das gilt für jedes Projekt. Solange man nur etwas Spaß an der Sache hat und sie irgendeinen Nutzen verspricht, fällt es leicht. So ging es bei mir mit dem Schreiben los. Jeden Tag ging mehr, tiefer, alles. Ich lernte und lernte. Ich las die ganzen guten Bücher zum ersten Mal. Heute sind diese Bücher immer noch gut, aber ich werde sie nie mehr zum ersten Mal lesen können. Ich schrieb also und die Texte wurden immer länger. Irgendwann war es dann Zeit für den ersten Roman. Ich studierte zu jener Zeit bereits. Ich ließ alles für das Buch fallen – Freunde, Gesundheit, Studium. Ich scheiterte. Ich scheiterte drei oder viermal, bis ich meinen ersten Roman fertigstellte. Ich dachte, Disziplin sei komplette Hingabe bis zum Ende – Der Rausch.

Der Rausch

Wissen, wann genug ist.

Das Buch, das ich dann schlussendlich schrieb, wurde nicht veröffentlicht. Die Geschichte war nicht zu vermarkten. Sie war im Rausch geschrieben und in keiner Form nachhaltig. Ich hatte alles ausgeblendet und nur an mich gedacht. In gewisser Weise muss man das, aber man muss auch wissen, wann genug ist

Ernest Hemingway 

Als Schriftsteller durchläuft man einen Reifeprozess. Ich habe meine Technik weiterentwickelt und auch meine Art das Schreiben anzugehen. Ein Vorbild in diesem Prozess war Ernest Hemingway. Von seiner Prosa habe ich gelernt, Sätze kurz zu halten. Ich benutze jetzt möglichst einfache Worte, um dem Leser Raum zu geben. Gleichzeitig hat Hemingway zur Haltung gegenüber der Arbeit interessante Dinge gesagt. In einem Interview mit ihm, das vor Kurzem in der Paris Review veröffentlicht wurde, erklärt er:

“When I´m writing on a book or a story I write every morning as soon after first light as possible. There is no one to disturb you and it is cool and cold and you come to your work and warm as you write. You read what you have written and, as you always stop when you know what is going to happen next, you go from there. You write until you come to a place where you still have your juice and know what will happen next and you stop and try to live through the next day when you hit it again”.

Juice

Du schreibst bis zu einem Punkt, an dem du noch immer im “Juice” (Saft) stehst. Wissen, wann genug ist. Hart zu arbeiten, aber immer etwas für den nächsten Tag übrig lassen. Auch das ist Nachhaltigkeit. Zurückhalten zu können, um die Qualität hochzuhalten. Nur so sind lange Projekte möglich.

Nachhaltigkeit im Alltag

Burnout 

 m Anfang kann einen die neue Leidenschaft drei Tage wachhalten. Plötzlich steht man morgens wieder mit Energie auf, braucht den Wecker und Kaffee gar nicht. Den ganzen Tag gibt es keinen anderen Gedanken. Wenn man Pausen macht, dann nur mit dem Gedanken, wann es weitergehen kann. Nach einigen Wochen bei diesem Tempo ist aber irgendwann Schluss. Die Disziplin treibt einen noch an die Arbeit, aber die Energie ist verloren. Der Juice ist aufgebraucht – die Quelle leer.

Die Folge ist Burnout und Depression. Wer sich auf diese Art in ein Thema wirft, ist bald am Ende. So vielversprechend das Thema war, jetzt ist keine Energie mehr da. Keine Energie für nichts. Alles fällt jetzt schwer. Darunter leidet nicht nur die Arbeit, sondern auch die Lebensqualität.   

Den Kreislauf durchbrechen

Die depressive Phase hält an bis zum nächsten Projekt. In der Zwischenzeit arbeitet man sich langsam wieder ans Licht. Irgendwoher kommt dann irgendwann eine neue Leidenschaft. Ein neues Feuer bricht los und alles geht wieder von vorne los. Diesen Kreislauf bin ich einige Male durchlaufen. Wahrscheinlich wird es mir auch wieder passieren. Den Kreislauf durchbrechen kann ich mittlerweile in Form eines nachhaltigen Gleichgewichts. Für Nachhaltigkeit im Alltag braucht es ein Zusammenspiel aus: Verantwortung, Lernen und Freiheit.

1. Verantwortung

 Als Menschen sind wir soziale Wesen. Ob wir wollen oder nicht, wir stehen immer in Kontakt mit anderen Menschen. Daraus folgt Verantwortung. Man kann sich Verantwortung entziehen und nur an sich selbst denken. Auch dafür gibt es eine Zeit. Allerdings ist es schon aus persönlicher Sicht gewinnbringend, anderen Menschen zu helfen. Eine verantwortungsvolle Tat gibt direkte Bestätigung. Das kann ein Lob, ein Lächeln oder eine Bezahlung sein. Verantwortliches Handeln mach einem klar: Ich lebe. Ich bin nicht sinnlos. Ich bin nicht alleine.

Um Verantwortung für andere zu übernehmen, muss man erst einmal Verantwortung für sich selbst tragen. Das heißt im Grunde: Geld verdienen. Ein Teil des Tages verbringt man damit, für eine andere Person eine Leistung zu erbringen. Man geht einen Kompromiss ein, bei dem auch ein anderer profitiert. Dafür wird man bezahlt und übernimmt Verantwortung für seine Existenz.

Wenn die Lebensumstände gesichert sind, gibt es auch eine Verantwortung gegenüber der Gesellschaft und der Natur. BLAU versucht mit Texten über Nachhaltigkeit, darauf aufmerksam zu machen.

2. Lernen

 Als Kinder lernen wir die ganze Zeit. Jeder Tag ist neu. Wir entwickeln uns. Die Neugier von Kindern ist ihr Schlüssel zum Glück. Sie erfahren ständig neu und merken den Fortschritt. Das Leben ist spannend für sie. Als Erwachsener geht das verloren. Irgendwann glaubt man, alles schon einmal gesehen zu haben. Man bleibt bei den Dingen, die man kann. Der Einstieg in etwas Fremdes, ist mit Angst verbunden. Diese Ängste zu begegnen und sie zu überwinden, heißt Lernen.

Das Neue gibt mir den Ausgleich, um wieder hungrig fürs Leben zu sein. Lernen füllt meinen “Juice” wieder auf. Ich lerne nichts, das mir im Grunde keinen Spaß macht. Das machen Kinder auch nicht. Lernen kann man alles Mögliche. Sport, eine Sprache, Kunst – solange es mich ablenkt und ich Fortschritte spüre, ist es gut.

Nachhaltigkeit im Alltag

3. Freiheit

 Teil der Disziplin, ist auch die Disziplinlosigkeit. Kontrolle zu haben und sie zu zeigen, ist wichtig. Es führt zu Vertrauen. Es gibt aber auch ein Vertrauen im Verlust von Kontrolle. Indem man loslässt, gibt man die Kontrolle ab und vertraut. Man vertraut sich selbst und der Welt um einen herum. Das passiert in der Musik, beim Sex, Reisen oder wo auch immer. Rhythmus und Melodie zählen. Ich bin nicht mehr gebunden und denke. Ich bin in Bewegung und Teil von etwas. Verpflichtungen und Stress werden zurückgelassen. Wenn das Lernen den “Juice” wieder auffüllt, dann bringt die Freiheit ihn in Bewegung.

Freiheit gibt den Ausgleich. Sie ist der Ort im Alltag ohne Erwartungen. Sie ist persönlich. Freiheit ist der Rausch, der das Zweifeln beendet. Mal teilt man sie mit anderen, mal ist es eine lange Nacht in einer Bar oder das surfen einer Welle an einem stürmischen Tag. Freiheit verlangt Aufrichtigkeit. Hier wird nicht bewertet. Was sie mir sagt, ist nicht gut oder schlecht. Es sind Widersprüche – Es bin ich. 

Nachhaltig Leben - Im Gleichgewicht

 Um nachhaltig sein Potenzial abrufen zu können, braucht man also ein Gleichgewicht.

Verantwortung – Lernen – Freiheit

Alle drei müssen im Alltag Platz finden. Keines von Ihnen darf überreizt werden. Das Zusammenspiel kommt einer Kunst nahe. Als ich mein Buch schrieb, setzte ich alles auf die Freiheit. Ich lebte den Rausch. Nachhaltig ist das nicht. Man brennt aus, verliert sich und geht unter. Daraufhin warf ich mich in einen Job. Bei einer Firma übernahm ich Verantwortungen als Manager. 40 Stunden die Woche im Büro – ein Team, das auch am Wochenende betreut werden musste. Jetzt bin ich frei, trage volle Verantwortung für mich selbst und meine Kunden und lerne jeden Tag etwas.

Das Gleichgewicht zu halten, ist nicht einfach. Ich muss wissen, wann genug ist, damit auch morgen noch Saft übrig ist. Nachhaltiges Leben fängt im Umgang mit mir selbst und meinem Handeln an.

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